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Verhinderungspflege

Verhinderungspflege zielgerecht ausgestalten, das ist ein gestecktes Ziel im Eckpunktepapier der Bundesregierung.

 

Es ist ab dem 01. Juli 2022 geplant, die stundenweise Inanspruchnahme auf höchstens 40% des Gesamtbetrages der Verhinderungspflege zu begrenzen. Damit soll der größere Teil des Jahresbudgets einer längeren Verhinderung der Pflegeperson vorbehalten bleiben.

 

Stundenweise Verhinderungspflege

 

Erlauben Sie mir einen kleinen Exkurs.

 

Es empfiehlt sich eine stundenweise Verhinderungspflege in Anspruch zu nehmen, wenn eine Pflege- oder Betreuungskraft für weniger als 8 Stunden pro Tag benötigt wird.

 

Das hat mehrere Vorteile:

 

Bei einer Inanspruchnahme der stundenweisen Verhinderungspflege besteht keine zeitliche Begrenzung. Bei einer Inanspruchnahme der Verhinderungspflege von 8 Stunden pro Tag oder mehr, können Sie höchstens 42 Tage im Jahr in Anspruch nehmen. Wenn in dieser Zeit der zur Verfügung stehende Betrag für pflegebedürftige Menschen von 1.612 Euro / Jahr noch nicht ausgeschöpft ist, verfällt der Restbetrag.

 

Bei einer Inanspruchnahme der stundenweisen Verhinderungspflege kommt es zu keinen Kürzungen des Pflegegeldes. Bei einer Inanspruchnahme der Verhinderungspflege von 8 Stunden pro Tag oder mehr, wird das Pflegegeld um 50% für die Zeit der Inanspruchnahme gekürzt für höchstens 6 Wochen im Jahr.

 

Vorsicht Falle:

 

Es ist nicht ausschlaggebend, für welchen Zeitraum pro Tag eine Ersatzpflege benötigt wird, sondern wie lange die Pflegeperson pro Tag außer Haus ist.

Das heißt, Sie planen z.B. 5 Tage in Urlaub zu fahren und Ihre Mutter benötigt nur morgens bei der Körperpflege Ihre Unterstützung. Den Rest des Tages kommt Ihre Mutter für diese Zeit alleine zurecht. Es liegt hier nahe, stundenweise Verhinderungspflege in Anspruch zu nehmen, da ihre Mutter jeweils nur kurze Zeit am Tag Unterstützung benötigt.

Das wird nicht funktionieren, da die 5 Tage gezählt werden, an denen Sie Ihrer Mutter nicht zur Verfügung stehen und nicht die Zeit, die Ihre Mutter Unterstützung benötigt.

Sie müssen hier also die klassische Verhinderungspflege beantragen.

 

Restriktion der stundenweisen Verhinderungspflege

 

Aber zurück zu dem Eckpunktepapier der Bundesregierung. So ganz kann ich den Gedanken im Eckpunktepapier nicht nachvollziehen.

Die Möglichkeit, die Verhinderungspflege stundenweise in Anspruch nehmen zu können, bedeutet für die pflegenden Angehörigen ein kleines Stück Freiheit bei der Herkulesaufgabe Angehörige über einen langen Zeitraum zu pflegen.

Ich kenne viele pflegende Angehörige, die würden Ihre Anvertrauten niemals für einen Urlaub über mehrere Tage oder Wochen alleine lassen. Aber sie genießen es, jede Woche zum Sport zu gehen oder Freunde zu treffen und in diesem begrenzten Zeitraum sich ein Stück „eigenes Leben“ zurück zu holen.

 

Diese Möglichkeit soll nun eingeschränkt werden. Ich verstehe es nicht.

 

Sicher, ein Urlaub über einen längeren Zeitraum hat einen deutlich höheren Erholungswert. Aber was nützt das, wenn Sie sich nicht wohlfühlen, weil Sie ihren kranken oder pflegebedürftigen Angehörigen längere Zeit alleine lassen?

 

Umgang mit dem größten Pflegedienst Deutschlands

 

Es wird immer wieder – auch in Regierungskreisen – gerne betont, dass die pflegenden Angehörigen der größte und preiswerteste Pflegedienst Deutschlands sind.

 

Für mich ist es doch sehr bedenklich, dass nun bei dieser Gruppe Menschen, Regeln geschaffen werden sollen, die diese Gruppe weiter einschränkt.

 

Es muss den pflegenden Angehörigen weiterhin die Möglichkeit offen bleiben, die Verhinderungspflege so in Anspruch zu nehmen, wie es gut für sie ist, stundenweise oder komplett.

Alles andere halte ich für einen Weg in die falsche Richtung. Es werden in meinen Augen hier Signale gesetzt, die sich in Zeiten der Knappheit von Pflegekräften keiner leisten kann.

 

Oder steht ein ganz anderer Gedanke im Hintergrund? Hat es vielleicht wirtschaftliche Gründe? Daran möchte ich – ehrlich gesagt – jetzt lieber nicht denken…

 

Autorin: Susanne Steinröhder

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